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Zusätzlicher Artikel der Ausgabe 3/09
Der Amoklauf





Jetzt, wo es in Deutschland wieder einmal zu einem Amoklauf eines Schülers, mit etlichen Toten kam, überschlägt man sich typischerweise mit Vorschlägen. Fast schon so lange wie wir den Gürtel enger schnallen müssen, will man auch etwas gegen die Gewalt in Deutschland tun. Natürlich ganz in alter Manier und typisch deutsch: mit Verboten. Verbieten von Ballerspielen, verbieten von Waffen in Privatbesitz, verbieten von Krimis im Fernsehen, etc. etc.

Jetzt, wo es in Deutschland wieder einmal zu einem Amoklauf eines Schülers, mit etlichen Toten kam, überschlägt man sich typischerweise mit Vorschlägen. Fast schon so lange wie wir den Gürtel enger schnallen müssen, will man auch etwas gegen die Gewalt in Deutschland tun. Natürlich ganz in alter Manier und typisch deutsch: mit Verboten. Verbieten von Ballerspielen, verbieten von Waffen in Privatbesitz, verbieten von Krimis im Fernsehen, etc. etc.

In Deutschland werden jährlich circa 400 Menschen erschossen. Ein beträchtlicher Teil von unserer Polizei. Dabei stehen diese Menschen meist nicht in irgend einem Zusammenhang mit einer Straftat, sondern sind nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Würde man, zum Beispiel wie in England, die Polizei entwaffnen, könnte man unschuldiges Leben retten, welches die Anzahl der Amokläufe bei weitem übersteigt.

Das ist aber extrem unpopulär unter den Verantwortlichen, da sich der deutsche Staat nach wie vor, entgegen aller Schönrederei, durch den Druck auf seine Bürger identifiziert. Der Täter wird in eine Psychoecke gestellt und ansonsten über die Sache diskutiert und berichtet, ähnlich wie vor 100 Jahren. Der Tenor immer der gleiche, wie konnte so was passieren, wo wir doch in den besten aller Staaten leben?

Denkt man nüchtern über die Sache nach, so war dies nichts anderes als ein Selbstmord. Ein Selbstmörder, der nicht leise abtreten wollte. In unserem Staat, dem besten aller Staaten, wurden bis 1996 jährlich über 100.000 Selbstmordversuche registriert. ca. 18.000 verliefen tödlich. Ab 1996 werden keine Selbstmordversuche mehr statistisch erfasst. Laut Bundesamt (ausgerechnet) aus „datenschutzrechtlichen Gründen“. Seit 1996 wären die Selbstmorde rückläufig.

18.000 Tote, die es nicht einmal in die Fernsehnachrichten schafften. Während man die Preise in den Bußgeldkatalogen vervierfacht und den Leuten den x-ten Airbag, vielleicht diesmal genau unter dem Po, einredet, alles natürlich zu ihrer Sicherheit und zum Reduzieren der Verkehrstoten, sterben an anderer Stelle 18.000 Menschen.

18.000 Menschen von denen niemand etwas wissen will. Wenn sich jetzt aber einer dieser 18.000 erfrecht, nicht leise abzutreten, so ist das Geschrei riesengroß. Natürlich ist so eine Tat, die immer so viele unschuldige Leben fordert etwas Schreckliches. Die Ursachen sind doch aber eher in unserer gesellschaftlichen Degeneration zu suchen.

Welche Perspektive gibt denn Deutschland einem jungen Menschen, der schon in der Schule beigebracht bekommt, bestenfalls Studentenfutter für die Wirtschaft zu sein. Als Ellenbogentyp, der in einer Brackwasser - Mulde in einem Gewimmel von Kaulquappen nur die Hoffnung haben kann, vor allen anderen herausgefischt zu werden? Und gerade wenn er sich dann als Frosch aufblasen will erkennen muss, dass er nur gezüchtet wurde, weil man seine Froschschenkel wollte.

Was ist das letztendlich für ein Leben, wenn schon im Vorschulalter damit begonnen wird, das junge Leben in eine, der Wirtschaft genehme Form, zu drücken? Wenn im weiteren Verlauf der „Erziehung“ Psycho-Weichmacher genommen werden, um die Knetmasse Mensch in diese Vieleckform zu pressen, sollten sich die kleinsten Probleme ergeben? Der Rest als unbrauchbar abgestempelt wird?

Was ist das für eine Gesellschaft, wo Großbetriebe das schnelle Geld mit Zeitarbeitern machen, die sie zum Teil für ein Drittel des fairen Lohnes arbeiten lassen? Wo jene, die es in unserer Gesellschaft eigentlich geschafft haben sollten, dieses zusätzliche Geld dazu nutzen, mit ihren sinnentleerten Leben nach Amerika fahren um dort ein Bild von einem echten Schimpansen gemalt, für 20.000 $, ersteigern. Nicht ohne vor diesem Bild eine halbe Stunde zu verweilen, um zu interpretieren was der Künstler mit seinem Kunstwerk wohl auszudrücken versucht! Oder sich ganz einfach mal für 7 Millionen das Gehirn rausvö... zu lassen.

7 Millionen mit denen man zum Beispiel den Lohn von 1000 Zeitarbeitern ein Jahr lang um circa vier Euro pro Stunde hätte erhöhen können.

Solange die Degeneration unserer Gesellschaft weiter fortschreitet und der soziale Rückschritt als Heilsbringer gelobt wird, solange wird es immer wieder Selbstmörder geben, die nicht leise abtreten wollen.

Man sollte endlich wieder anfangen, das Leben in Deutschland, - für alle -, lebenswerter zu gestalten. Dazu gehört vor allem, Wirtschaft als das anzusehen was sie ist und nicht eine allein gültige Heilslehre daraus zu konstruieren. Ganz nach alter Wunderwaffen- und Endsieg-Mentalität.


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